Story
Hinter dem Ton von Typisch Emil
November 2024
Angefangen hat alles mit einer Anfrage. Mein Freund und langjähriger Weggefährte, Regisseur Phil Meyer, hatte zusammen mit Kameramann Elmar Bossard von Emil Steinberger und seiner Frau Niccel die Idee zu einem Dokumentarfilm herangetragen bekommen. Das war 2022. Und so, wie es bei Dokumentarfilmen oft ist, blieb fast ein Jahr offen, ob und wie er je finanziert würde.

Ich fuhr trotzdem mit. Im Januar stand ich in Hamburg am Set — und wir feierten an der Ostsee gemeinsam Emils 90. Geburtstag. Von der ersten Minute an fühlte sich nichts nach Auftrag an. Die Crew kam als Freunde, wir verstanden uns mit Emil und Niccel auf Anhieb familiär. Es ging nicht ums Abarbeiten, sondern ums gemeinsame Erschaffen.
In den Drehtagen durfte ich viele Menschen in ihren Lebenssituationen besuchen: der Hamburger Hafen, das Atelier des Malers Felix Eckhart, der Zirkus Knie, Gespräche mit Franz Hohler und Kaya Yanar, Drehtage in Basel und der Westschweiz. Genau das machte dieses Projekt für mich einmalig.

Am Ton war ich früh dabei, als Sound Supervisor — eine Herzensangelegenheit, auch für Phil. Als feststand, dass Niki Reiser die Musik komponiert, war ich bei Aufnahmen in Basel mit dabei und lernte auch ihn als Freund kennen.

Der Anspruch war von Anfang an klar: Dieser Film sollte im Kino ein Spektakel sein, kein gewöhnlicher Dokumentarfilm. Genau das machte die Tonarbeit so umfangreich. Die grösste Herausforderung lag im Archiv — Zugang zu einem schier endlosen Fundus an Bild- und Tonmaterial in allen Qualitäten: Bandmaschinen, Tapes, DVDs, CDs, MP3s. Daraus die richtigen Schnipsel zu bergen und stummes Videoarchiv kinotauglich zum Leben zu erwecken, war Detektivarbeit.
Mein liebstes Beispiel: eine Montage aus den Anfängen des Zirkus Knie, als Emil dort mitzog. Elefanten, die durch die Stadt ziehen, der Zeltaufbau, Menschenmassen, die zum Ticketschalter strömen — alles ohne einen einzigen Originalton. Diese ganze Welt haben wir aus Archivfragmenten und selbst aufgenommenen Foleys gebaut: Schritte auf der Holzumrandung des Tierzelts, der Affe, der an der Liane schwingt.
Ein komplettes Foley-Team lieferte Geräusche für den ganzen Film — teils sogar für Archivszenen. Die Kunst war, moderne Foleys so in altes, eigenwilliges Material zu legen, dass man die Naht nicht hört.
Am Ende lagen rund 200 Tonspuren in der Session; gemischt haben wir in Stereo, 5.1 und 7.1. Niki Reiser lieferte seine Kompositionen als Stems, und die Zusammenarbeit mit René Zingg, bei dem in den Soundville Media Studios die Mischung entstand, war eng und bereichernd — auch quer über verschiedene Programme hinweg. Ich war jeden Tag dabei, verantwortlich fürs Sounddesign, und führte Regie am Ton.

Im August 2024 hatten wir in Locarno ein geschlossenes Screening — einer der Höhepunkte. Die offizielle Premiere feierten wir am Zurich Film Festival 2024.

Was mir bleibt, ist mehr als der Ton. Der Film ist im Kino weit gekommen und wurde später mit dem Prix Walo als „Bester Film" ausgezeichnet — entstanden von ein paar Luzerner Jungs, ohne grosse Produktionsfirma. Ich glaube, genau das ist der Punkt: Es funktioniert, weil wir Freunde sind, uns lange kennen und wirklich Bock darauf hatten. Ein grosses Projekt mit Freunden umzusetzen — das war für mich einmalig.
